Der eiskalte Antrag

Bei diesem Sauwetter mach ich heute ausnahmsweise nicht meine Laufrunde! Das entschied Meli nach einem kurzen Blick aus dem Fenster.
Seit sie im Homeoffice war, ist sie Tag ein, Tag aus immer zur gleichen Zeit den ein und selben Weg gegangen um ein bisschen rauszukommen und gleichzeitig fit zu bleiben.
Der graue Himmel und die frostigen Temperaturen hatten ihr aber die Lust auf ihren alltäglichen Spaziergang verdorben.
„Da mach ich mir es zuhause gemütlich und telefoniere mit einer guten Freundin.“ Gesagt getan.
Bei der Freundin beschwerte sie sich dann auch gleich so nebenbei: »Du der
Nico hat mir immer noch keinen Antrag gemacht!»

Was sie nicht wusste: Nico war genau in diesem Augenblick an ihrem Baum, der auf ihrem sonst alltäglichen Spaziergang liegt, um alles vorzubereiten.
Für diesen besonderen Augenblick hatte er sich sogar schick gemacht und in Schale geworfen. Nur mit einem weissen Hemd und einer dünnen Jacke will er den Antrag machen. Man will ja schliesslich gut aussehen, wenn man der Herzallerliebsten einen Antrag machen will.
Der Champagner stand bereit und musste dank der eisigen Aussentemperaturen nicht mal gekühlt werden.
Alles war bereit für Meli! Aufgeregt schaute er auf den Weg, den Meli seit dem Homeoffice Tag für Tag rauf spazierte.
Sicher würde sie gleich loslaufen.
Der Himmel versprach Schnee und der aufkommende Wind kündete schon die ersten Flocken an.
Nico fror schon ein bisschen in seinem dünnen Hemd.
„Egal, das ist es mir wert“, waren wohl seine Gedanken.
So wartete Nico und wartete. Keine Meli in Sicht!
Frierend und langsam nicht mehr so euphorisch.
Schliesslich beschloss er sie anzurufen. Aber Meli hatte das Telefon irgendwo verlegt und hörte es nicht.
Er probierte es weiterhin und beschloss nicht aufzugeben! Trotz Kälte und einsetzendem Schneefall.
Endlich rief sie zurück.
„Gehst du heute nicht laufen?“
„Nein, bei diesem Wetter bleib ich zuhause.“
Verzweifelt versucht er sie für den Spaziergang zu überreden.
Da merkt die angehende Braut, dass etwas im Busch ist und macht sich auf den Weg zu ihrem Baum.
Dort angekommen erwartet sie ein fast erfrorener, aber strahlender Bräutigam der ihr kaum noch den Ring an den Finger stecken kann weil seine Finger so kalt und steif sind.
Die Kälte ist vergessen als er sie auf den Knien fragt, ob sie seine Frau werden will. Natürlich sagt Meli sofort ja!
Denn wenn auch sein Antrag unter frostigen Bedingen stattfand, so wusste sie doch das sein Herz für SIE glühte!
Fest zusammen gekuschelt romantisch unter freiem Himmel zwischen tanzenden Schneeflocken, stossen sie auf ihr gemeinsames Glück an.
Übrigens hat es zwar nicht geschneit an ihrem Hochzeitstag aber passend war es auch ein Sauwetter! 😉
Trotzdem war es ein wunderschöner Tag mit zwei tollen herzerwärmenden jungen Menschen.


Cristina Wunder 

(Die Namen des Brautpaares wurden von der Redaktion geändert)